Als Cotswolds bezeichnet man die sanft hügelige Landschaft in der südlichen Mitte Englands. Sie ist geprägt durch den dort anstehenden Kalkstein, der als Baumaterial für die meisten Gebäude diente. Bei unserem Urlaub in diesem Sommer trafen wir in Chedworth, mitten in den Cotswolds, in einem Pub auf einen Mann, der uns erzählte, Steinmetz zu sein, und uns mehrere Tipps zu unbekannteren Sehenswürdigkeiten der Region gab. Besonders begeistert berichtete er von Painswick, einer kleinen Stadt in der Nähe von Stroud in Gloucestershire. Dort hatten ihn aber nicht nur die Architektur fasziniert, sondern die Bäume auf dem Friedhof der Pfarrkirche. Er erzählte von 99 Eiben und der Legende, dass niemals eine hundertste dazukommen sollte, weil diese nicht überleben würde. So fuhren wir einige Tage später nach Painswick, die Kirche St Mary´s war schnell gefunden, da ihr Turm im Zentrum herausragt. Was für ein schöner Anblick. Die 99 Eiben sind ehrwürdig alt, sehr gepflegt beschnitten und begleiten die Hauptwege wie Alleen. Ein kleiner Flyer, den ich in der Kirche erstand, lieferte die Hintergrundinformationen zu dieser Pflanzung. Viele der Eiben stammen aus dem 18. Jahrhundert. Die Stürme 1881 und 1916 verursachten große Schäden. In jüngster Zeit haben Schneefälle einige Äste so belastet, dass sie abgebrochen sind, was man an einzelnen Bäumen noch sehen kann.

Painswick 1 Foto SaskiaFuchs2018 300pxWarum es genau 99 Bäume gab, darüber gibt es neben der Legende eine Theorie, die besagt, dass es 99 Wasserquellen unter dem Friedhof gibt über denen die Bäume wachsen. Wirklich gesichert ist, dass es eine unterirdische Wasserströmung vom Rathaus bis zum östlichen Ende der Kirche gibt. Diese wurde „bridal path“ (Brautweg) genannt, weil die Bräute auf ihm zu ihrer Hochzeit gingen. Heute geht das aufgrund der vielen abgestellten Autos nicht mehr.

Im Jahr 2000 pflanzte die Gemeinde den hundertsten Baum, da alle Kirchen in der Diözese von Gloucester eine Eibe geschenkt bekamen, um den Jahrtausendwechsel zu feiern. Dieser hundertste Baum gedeiht trotz der Legende bis zum heutigen Tag hervorragend.
2009 wurden individuelle Patenschaften für die Eiben eingeführt. Für 99 Pfund (ca. 115 €) kann eine Patenschaft für einen Baum für drei Jahre übernommen werden. Mit diesem Geld wird die aufwendige Pflege finanziert.
Die Eiben werden jedes Jahr im September beschnitten, das ist spät genug um weiteres Wachstum im selben Jahr zu verhindern. Ein anderer Schnittzeitpunkt würde bei den Bäumen größeren Stress verursachen. Das Schneiden wird ausschließlich von sehr erfahrenen Kräften vorgenommen. Eiben sind aufgrund ihres einzigartigen Wachstumsmusters sehr langlebig. Die Äste wachsen zum Teil nach unten und bilden neue Stämme. Dies machte die Eiben zu einem Symbol von Tod und Wiedergeburt.
Dieser Besuch in Painswick, den wir einer zufälligen Begegnung verdankten, hat uns sehr gut gefallen und ich empfehle ihn gern weiter.

Sockelfoto Painswick 4 Foto SaskiaFuchs2018 866px

Themen

Back to top