Slackline - Trendsportart schädigt Bäume

Trendsportart oder bloßer Baumfrevel ?


Abb. 1: Faszination Slack-line: Eine 'schlaffe Leine' als neue Trendsportart


Abb. 2: mehreren Tonnen Zuglasten zerren an den Befestigungsstellen


Abb. 3: Befestigen eines Gurtsystems ohne aus-reichenden Baumschutz


Abb. 4: Teppichreste als völlig unzureichende Baumschutzmanschette


Abb. 5: Von der Sport-hochschule Köln neu entwickelter Stammschutz


Abb. 6: Der Stammschutz verteilt die Kräfte auf eine größere Fläche

Sonderseite des AK-Stadtbäume
Gerhard Doobe
Stand: 2011; 2012; 2017

Slacklinen - eine neue Form des Seiltanzes - findet vor allem in Großstädten ungebrochenen Zulauf und dies nicht nur bei Kindern und Jugendlichen. Ein Grund der Faszination mag in den vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten als Übung von Körperbeherrschung und Konzentration, in der Erlebnispädagogik bis hin zu therapeutischem Einsatz sein.
Anhänger dieser Trendsportart spannen einen Gurt zum Balancieren meist zwischen zwei Bäumen, die aber selten ausreichend durch einen Abriebschutz geschont werden. Derart hohe mechanische Belastungen von Borke und Rinde haben in aller Regel starke Schädigungen der Bäume zur Folge.

Eine Studie 'Slackline' aus dem Jahr 2012 des Instituts für Natursport und Ökologie der Deutschen Sporthochschule Köln spiegelt den aktuellen Forschungsstand der jungen Freizeitaktivität Slackline wider und fasst viele bisherige Erkenntnisse aus der Sportwissenschaft zusammen. Hier das Inhaltsverzeichnis!


Rückblick. Im legendären Klettertreffpunkt éCamp 4' des Yosemite Nationalpark in Kalifornien balancierte die internationale Szene zum Zeitvertreib auf Bandmaterial aus dem Bergsportbereich. Dies war Anfang der 1980er Jahre die Keimzelle für das Slacklinen. Von hier aus verbreiteten die Kletterer die Sportart in der ganzen Welt. Im Jahr 2006 hatte Slacklinen seinen Durchbruch im deutschsprachigen Raum. Viele Hersteller bieten hier inzwischen entsprechende Produkte und Gurtsysteme an und erste Slackline-Vereine gründen sich.

Slacklinen gefährdet Bäume. Selbst kräftige und völlig gesunde Bäume sind den Zug-, Druck- und Scheuerbelastungen des gespannten Gurtes nicht gewachsen. Schließlich können an den Befestigungen Kraftspitzen von bis zu drei Tonne Zuglast auftreten. Eben aus diesem Grund ist die Sportart in vielen Städten verboten, wobei offen bleibt, ob und wie derartige Verbote überhaupt umgesetzt werden können. Da eine grobe Borke die auftretenden Kräfte besser aufnehmen kann, ist diese weniger empfindlich als glatte Borke und ältere Bäume mit Stammumfängen über 120 cm weniger empfindlich als junge, schlanke Bäume. Einfache Seile anstelle flacher Gurte sowie Knoten oder Karabinerhaken erhöhen die Verletzungsgefahr maßgeblich.


Quelle:   Clemens Hartmann; Juli und August 2009, Schlossgarten Stuttgart

Lösungsansatz. 'Basel setzt auf Aufklärung und geht davon aus, dass bei einem besonders sorgfältigen Umgang mit den Halteinrichtungen Baumrindenschäden weitgehend vermieden werden können'. Die Stadtgärtnerei Basel hat dazu bereits im Februar 2010 eine ausführliche Informationsschrift (Achtung 4,9MB) herausgegeben.

Gemeinsam mit der Stadt Köln hat die Sporthochschule Köln in einem Pilotprojekt einen speziellen Stammschutz entwickelt, der zumindest in den Sommermonaten an häufig genutzten Bäumen angebracht werden kann. In diesem Zusammenhang untersucht das Institut für Natursport und Ökologie der Sporthochschule, wo die Slackliner im Kölner Stadtgebiet ihrer Sportart nachgehen, welche Orte besonders beliebt sind und warum das so ist. Die Ergebnisse sollen helfen, so hofft man, Konsequenzen auch für den Baumschutz abzuleiten.


Ein hochschulinternes Forschungsvorhaben soll die auf den Baum treffenden Kräfte ermitteln. Dabei misst eine zwischen der Befestigung handelsüblicher Slackline-Systeme und der Borke installierte Druckplatte die auftretenden Belastungen. Von diesen Werten ausgehend können Baumsachverständige Empfehlungen geben, unter welchen Voraussetzungen die Sportlerinnen und Sportler Slacklines an Bäumen anbringen können. Das Forschungsvorhaben soll dabei helfen, das Slacklinen ökologisch verträglich zu machen. In diesem Rahmen testen die Forscher der Sporthochschule auch verschiedene, in Slackline-Sets integrierte Baumschutzsysteme auf Ihren Nutzen.

Auch das Deutsche Institut für Normung (DIN) ist zurzeit mit diesem Thema befasst, um allgemein gültige Standards zu formulieren. Ob und inwieweit dabei der Baumschutz Berücksichtigung findet, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abzusehen.

Weitere Informationen bei Andreas Thomann und Dr. Stefan Türk vom Institut für Natursport und Ökologie der Deutschen Sporthochschule Köln unter 0221/4982-4080 und a.thomann@dshs-koeln.de


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Gegen die Saft-
ströme
, Quelle:
DIE ZEIT, Nr.32/2010
 
 
 
 
 
 
   
 
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