Der Arbeitskreis 'SPIELEN IN DER STADT' nimmt eines der wichtigsten Themen der heutigen Stadtgestaltung auf: die Durchspielbarkeit der Stadt. Der Ansatz hierzu ist nicht neu, wird aber von den Mitgliedern des Arbeitskreises in ihren Verwaltungen konsequent vorangetrieben und in die Stadtplanung eingebracht.

 

Innovation

Aufbauend auf derzeitigen Tendenzen in der Entwicklung der Kinder, die durch anregungsarme Außenräume vermehrt ein Defizit in der Grob- und Feinmotorik aufweisen, hat es sich der Arbeitskreis zum Ziel gesetzt, Kindern und Jugendlichen Freiräume zur Verfügung zu stellen, in denen die Naturerfahrung auf unterschiedlichste Art möglich ist. Neben den klassischen Räumen der Spielplätze sind dies Brachgelände, Gräben, Waldstücke etc. Dabei werden auch Risiken bewusst in Kauf genommen, und dies zunehmend mehr mit Zustimmung der früher sehr zur Übervorsicht neigenden Versicherungsträger.

Die Grünflächenämter haben hiermit eine wichtige Aufgabe übernommen, deren Erfüllung elementar für die Entwicklung der Kinder ist; denn nach unserer Auffassung kann sich das Kind seine Umwelt nur handelnd erobern, d.h. sie muss im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar sein. So erschließt sich das Wort Kies z.B. für uns nicht nur über den Klang des Wortes, sondern es verbindet sich zugleich mit den Farben Schwarz und Weiß, das Knirschen unter den Füßen oder das Aufdippen eines flachen Kiesels auf der Wasseroberfläche. Hier liegt eine ganzheitliche Wahrnehmung vor, die den Begriff "begreifbar" macht und die wir mit unseren planerischen Mitteln fördern müssen. Dass wir uns dabei von den herkömmlichen Spielplätzen zum Teil - aber auf keinen Fall gänzlich - trennen müssen, und dass wir neue Wege der Gestaltung suchen und finden müssen, sollte deutlich geworden sein.

Die Bemühungen des Arbeitskreises gelten allen Bereichen der Freiraumplanung, also nicht nur den herkömmlichen Spielorten, sondern auch den informellen. Neue Aufgaben liegen in der kindgerechten Planung der Flächen die uns aufgrund der zunehmend mehr praktizierten Regenwasserversickerung zusätzlich zur Verfügung gestellt werden und deren Ausgestaltung neue Wege in der Grünplanung möglich machen, da es sich häufig um lineare Elemente handelt, die der "Durchspielbarkeit" einer Stadt entgegenkommen.

 

Partizipation

Durch Mitwirkung betroffener Kinder und Jugendlicher wird die Akzeptanz von Spielräumen bereits in der Planungsphase durch Austragung der Konflikte im Vorfeld erreicht. Somit ist die Realisierungsphase - von Konflikten weitgehend befreit - reibungsloser. In vielen Fällen werden so Zeit und manchmal auch Geld, z.B. für nachträgliche Umbauten, gespart. Planungen/Realisierungen unter Mitwirkung der Betroffenen führen zu mehr Identifikation mit dem (gemeinsamen) "Produkt".
Der Vorteil: Spielräume und Spielraumausstattungen sind weniger der Zerstörung ausgesetzt und werden gleichzeitig mehr genutzt.

 

Fazit

Spielraumplanungen berühren die Interessen von Kindern und Jugendlichen unmittelbar. Bei der Planung sollten vornehmlich ihre Vorstellungen, Wünsche und Träume unser Leitfaden sein, denn Wünsche der Kinder sind keineswegs nur Reproduktionen dessen, was sie schon einmal gesehen oder erlebt haben (Stichwort: Freizeitpark). Die Erfahrung in vielen Städten und Gemeinden zeigt vielmehr, dass ihre Beiträge oft originell sind und dazu beitragen, Spielräumen eine ganz bestimmte, von Kindern und Jugendlichen wahrnehmbare Identität zu geben.

Es gibt also keinen vernünftigen Grund, Kindern und Jugendlichen die Mitwirkung zu versagen. Spielraumplanerinnen und Spielraumplaner in den kommunalen Grünflächenämtern nutzen die Chancen der Partizipation, um aus "erster Hand" zu erfahren, wie die Interessenlage bei den Betroffenen wirklich ist. Sie können so - überzeugender und wirkungsvoller als bisher - diese Interessen gleichsam "lobbyartig" gegenüber anderweitigen Interessenlagen, meist SACHZWÄNGE genannt, vertreten.

Zunehmend mehr Grünflächenämter schaffen die Voraussetzungen für eine "ehrliche" Beteiligung bei der Spielraumgestaltung: Verbindlichkeit und Klarheit bezüglich des Partizipationsangebots. Welche Formen dabei offeriert werden, hängt sehr vom Einzelfall und von den zur Verfügung stehenden Ressourcen ab. Sehr häufig werden Kooperationen mit anderen Ämtern (Jugendamt, Sportamt) und Institutionen (Freie Träger der Jugendhilfe, Fachhochschulen, Universitäten) eingegangen, um Defizite im eigenen Verfügungs- und Kenntnisbereich zum Wohle der Kinder und Jugendlichen auszugleichen.

 

Kommunikation

Für alle angedeuteten Themenschwerpunkte wurden von den Mitgliedern des Arbeitskreises erste Planungen erstellt und umgesetzt, so dass praktische Beispiele und Modelle vorliegen. Sie sind bei uns leicht erhältlich, so daß andere Kollegen - auch aus anderen Fachbereichen/Institutionen - darauf zurückgreifen können. Durch den Querschnitt durch verschiedene Städte sind die vorliegenden Materialien breit gefächert, so dass zu hoffen ist, dass jeder Fragende auch eine ihm gemäße Antwort erhalten kann. Ziel ist es, unser bisheriges Wissen durch Kommunikation und Informationsfluss zu erweitern und somit Fehler, die andere bereits gemacht haben, zu vermeiden.

Aus diesem Grund hat der Arbeitskreis eine Informationsbörse aufgebaut, in der beispielsweise Fachartikel zum Kinderspiel, zu Planungsmethoden und Richtlinien für den leichten Zugriff aufbereitet, verfügbar gehalten werden. Der Aufbau einer fachspezifischen "Videothek" und Dia-Sammlung konnte begonnen werden. So werden für alle Kolleginnen themenspezifische Medien für ihre Überzeugungsarbeit "vor Ort" zur Verfügung stehen.

Der Arbeitskreis hat es sich darüber hinaus zum Ziel gesetzt, die Gartenämter auf dem Gebiet der Spielraumplanung nach außen hin zu vertreten. Dies gilt einerseits für Gremien wie Normenausschüsse, in denen die entsprechenden DIN in der Diskussion sind, andererseits für andere an der Spielraumplanung und -gestaltung beteiligten Fachbereiche. Hier sind die Stadtplanung, die Pädagogik und die Sozialpädagogik besonders zu nennen.

Um den offenen Dialog mit anderen Fachdisziplinen führen zu können, beteiligen wir uns aktiv an vielen Fachseminaren, Vorträgen etc. und stellen dort unsere Vorstellungen und Zielrichtungen dar. Dabei haben wir bislang festgestellt, dass unsere technische/planerische Kompetenz allein nicht ausreicht, Kindern bedürfnisgerechte Spielräume zu schaffen. Vielmehr ist es beständig notwendig, mit den Nutzern (den Kindern), mit wissenschaftlich oder praktisch tätigen Pädagogen und Sozialpädagogen "im Gespräch" zu bleiben, um Erfahrungen und Erkenntnisse aus diesen Bereichen ebenfalls einzubringen.

Themen

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