Pseudomonas syringae pv. aesculi

Auf der Grundlage von Untersuchungen zum Nachweis des Bakteriums Pseudomonas syringae pv. aesculi in Hamburg im Auftrag der Hamburger Umweltbehörde.

 

Pseudomonas-Rindenkrankh. der Rosskastanie

pseudom02a 225x180Seit dem Jahr 2002 wurde in den Niederlanden innerhalb weniger Jahre eine neue Erkrankung an Rosskastanien beobachtet, wobei mehrere Arten bzw. Hybriden innerhalb der Gattung betroffen waren. Auffälligstes Symptom sind dunkle Leckstellen auf der Rinde (Abb. 1).

Als Verursacher konnte inzwischen das Bakterium Pseudomonas syringae pv. aesculi identifiziert werden. Die Erkrankung ist inzwischen in weiten Teilen Deutschlands verbreitet. Ähnliche Symptome können jedoch auch anderen Ursprungs sein, z. B. ein Befall mit Phytophthora-Arten.

Im Auftrag der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt Hamburg konnte vom Institut für Baumpflege der Schaderreger 2007 erstmals in pseudom08c 225x289Deutschland nachgewiesen werden. Die Bakterienisolierung erfolgte an der Universität Hamburg, die Untersuchung auf das mögliche Vorhandensein von Phytophthora-Arten an der HAWK Göttingen.

Bei einer umfangreiche Reihenuntersuchung der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt und des Pflanzenschutzdienstes wurden in Hamburg im selben Jahr von 750 Rosskastanien mit Schleimfluss 96 auf den Erreger hin überprüft. In nur 4 Fällen konnte der Erreger nachgewiesen werden. Bei einer Folgeuntersuchung an 101 Rosskastanien im Jahr 2014 waren es bereits 46 Nachweise, was die seit 2013 laufende, verheerende Befallswelle widerspiegelt. Inzwischen sind alle in Hamburg gepflanzten Aesculus-Arten in allen Altersklassen betroffen.

 

Makroskopische Merkmale eines Pseudomonas-Befalls

Die typischen Schadsymptome eines Befalls durch Pseudomonas syringae pv. aesculi unterscheiden sich auch makroskopisch von anderen häufigen Auffälligkeiten, wie leckende Wunden oder näpseudom04a 225x180ssende Stammrisse, während sie sich gegen einen Phytophthora-Befall nur schwer abgrenzen lassen (DUJESIEFKEN et al. 2008).
Der Befallsschwerpunkt liegt offenbar meist im Bereich von Stamm und Kronenansatz und breitet sich von hier weiter nach oben und nach unten aus (Abb. 1). Leckstellen in Höhen über 6 m sind ebenso selten anzutreffen wie Schadsymptome, die bis an den Stammfuß reichen. Hier sind schwärzliche Leckstellen auch mit Fruchtkörpern des Brandkrustenpilzes zu verwechseln (Abb. 8).

Zunächst bilden sich durch die bakterielle Rindenkrankheit der Rosskastanie die schwärzlichen Leckstellen aus, oftmals auf gesund erscheinender Rinde. Dieser zunächst flüssige Ausfluss trocknet dann zu pseudom03b 225x180schwärzlichen, krustigen Flecken auf der Rinde aus. Im Bereich der Leckstellen verfärbt sich die Rinde häufig bräunlich (Abb. 4). Legt man derartige Stellen vorsichtig mit einen scharfen Werkzeug frei, zeigt sich darunter im Bereich des Phloems, anders als bei einem Phytophthora-Befall, eine besonders intensive orange-braune bis rötliche Verfärbung, die in sich sehr kleinteilig mosaikartig zoniert ist (Abb. 5). Der Übergang zum gesunden Gewebe ist scharf abgegrenzt und verläuft unregelmäßig (Abb. 6). Die abgestorbenen, verfärbten Bereiche bleiben über längere Zeit auf die Rinde begrenzt und reichen zunächst nicht bis in den Holzkörper. In der Rinde sind die befallenen Bereiche durch bereits makroskopisch deutlich erkennbar rot gefärbte Periderme von den gesunden, noch lebenden Bereichen der Rinde getrennt (Abb. 9).

Die Rindennekrosen verlaufen in axialer Richtung streifenförmig und offenbar über pseudom04b 225x180mehrere Meter Länge. Dabei ist nicht jede Nekrose im Phloem durch eine Leckstelle von außen erkennbar. Es handelt sich hier um abgestorbenes Gewebe in der jüngsten Rinde, bei der häufig auch das Kambium sowie das darunter liegende Holz abgestorben ist (Abb. 7). Der Umfang des Befalls ist daher in vielen Fällen deutlich umfangreicher als es von außen anhand der Leckstellen den Anschein hat. Es bleibt weiterhin zu klären, ob diese Art der Nekrosen ein Frühstadium oder eine Spätfolge des Befalls ist.

Stärkere Befälle verursachen hingegen ein streifenförmiges Absterben der gesamten Rinde und der darunter liegenden Gewebe. Die Streifen sind häufig wenige Zentimeter breit und können mehrere Meter lang sein, die von den Seiten her überwallt werden. Der Holzkörper weist dann Verfärbungen auf. Im Extremfall befinden sich mehrere, auch breitere Totstreifen an einen Stamm oder der Baum pseudom06 225x180stirbt halbseitig ab. Häufig haben diese Bäume noch weitere Schäden oder einen Befall von Sekundärschädlingen, z.B. Armillaria. Hierdurch ist dann auch oftmals die Verkehrssicherheit beeinträchtigt oder es kann sogar zum Absterben des Baumes führen (Abb. 2).
Auch an jüngeren Bäumen wurden die für Pseudomonas typischen Leckstellen beobachtet. Hier wurde dann zusätzlich ein auffälliges Rindenbild in Form einer verstärkten Verborkung festgestellt (Abb. 3).

Vor allem an Rotblühenden Rosskastanien (Aesculus x carnea) und (Aesculus x carnea 'Briotii') tritt seit 2013 ein verändertes Krankheitsbild auf. Zu den typischen Schleimflusssymptomen kommen nun schnell voranschreitende Teilkronenvergilbungen, das Absterben dieser Partien oder der gesamten Krone. pseudom02b 225x180Zudem zeigen sich häufig und vorrangig am Stamm Pilzfruchtkörper, offensichtlich als Sekundärschädlinge. In der Folge treten vermehrt Astabbrüchen, aber auch großflächige Rindenablösungen auf und viele Bäume sterben rasch ab.

 

Empfehlungen für den weiteren Umgang

Die Erfahrungen mit Rosskastanien in den Jahren vor 2013 ließen hoffen, dass die befallenen Bäume auch nach Jahren meist nicht absterben. Die zahlreichen Fällungen befallener Bäume waren offenbar eine Überreaktion und es zeigte sich

zunächst, dass auch stark befallene Bäume überleben können, wenn die befallenen

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Gewebe eintrocknen und sich nicht mehr weiter ausbreiten. Bäume mit einer schwachen Vitalität hatten jedoch Probleme. Bäume, bei denen neben dem Bakterien-Befall weitere Schaderreger wie z. B. Hallimasch-Befall auftreten, starben ganz oder weitgehend ab (DUJESIEFKEN et al. 2008).

Ist die Verkehrssicherheit durch andere Schäden nicht beeinträchtigt, sollten Rosskastanien mit leichtem und mittelstarkem Befall, die noch eine gute Vitalität aufweisen, so belassen und weiter beobachtet werden. Bäume mit bereits schwacher Vitalität oder weiteren Vorschäden sollten entfernt werden. Die Fällung befallener Bäume ist jedoch keine Garantie dafür, dass die verbleibenden Bäume ohne Symptome von Pseudomonas nicht befallen werden, da zurzeit noch keine Kenntnisse vorliegen, wie sich das Pathogen ausbreitet und die Besiedlung abläuft.

Bis zur näheren Klärung der Pathogenese der Erkrankung ist es ratsam, nach Schnittarbeiten an Rosskastanien mit Schleimflussflecken das Werkzeug sowie kontaminierte Schuhe/Handschuhe zu desinfizieren. Dazu ist eingesch

ränkt 70% Ethanol geeignet, besser noch spezielle, zugelassene Desinfektionsmitteln auf Basis von Benzoesäure, z.B. Menno-FloradesTM (Menno Chemie). Schnittgut erkrankter Bäume kann vor Ort gehäckselt werden, sollte aber als Vorsichtsmaßnahme anschließend nicht vor Ort ausgebracht, sondern einer geregelten, kommerziellen Heißkompostierung zugeführt werden.

An Rosskastanie ist die Differenzierung von Leckstellen verursacht durch Phytophthora- und Pseudomonas-Arten anhand makroskopischer Kriterien bislang schwierig. Zudem sind z.B. in Hamburg Mischbefälle beider Erreger nachgewiesen worden, so dass bei Verdachtsfällen spezielle und aufwändige Laboruntersuchungen nötig sind, um den Erregers eindeutig nachzuweisen. Für die Baumpflegepraxis werden inzwischen verlässliche Schnelltests zur Erregerbestimmung angeboten.

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