Vom technischen Bauwerk zum urbanen Grünraum

Auf dem denkmalgeschützten Sellerhäuser Viadukt, einem prägenden Abschnitt des Stadtentwicklungsprojekts „Parkbogen Ost“, entsteht derzeit ein außergewöhnlicher Grünraum. Mit der Pflanzung von rund 50 Bäumen bis Mitte April erreicht das Vorhaben einen wichtigen Meilenstein. Das etwa 250 Meter lange Ingenieurbauwerk entwickelt sich damit zum zentralen Element des sogenannten „Aktivbandes Sellerhäuser Bogen“.

ParkbogenOst02 2026 400x258Denkmalgeschütztes Sellerhäuser ViaduktLeipzigs Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal hebt die Bedeutung des Projekts hervor: Angesichts von Klimawandel und Artenrückgang seien innovative, widerstandsfähige und nachhaltige Lösungen in der Freiraumgestaltung unerlässlich. Gerade die Umnutzung bislang brachliegender Infrastruktur eröffne neue Perspektiven für die Stadtentwicklung.

Neben den eigens in Baumschulen vorgezogenen Bäumen werden auf dem Viadukt zahlreiche Sträucher und Stauden gepflanzt. Ergänzt wird die Anlage durch Aufenthaltsbereiche, die Raum für Begegnung, Bewegung und Erholung schaffen.

Auch Baubürgermeister Thomas Dienberg betont den partizipativen Charakter des Projekts: Aus einer bürgerschaftlichen Initiative hervorgegangen, nehme die Idee nun sichtbar Gestalt an. Schritt für Schritt entstehe im Leipziger Osten ein zusammenhängendes Netz aus Grün- und Bewegungsflächen, das ehemalige Bahninfrastruktur neu nutze und erlebbar mache. Die Umsetzung erfolgt in enger Abstimmung mit der Stadtgesellschaft und wird durch Fördermittel von EU, Bund, Land sowie der Stadt Leipzig getragen – ein Beispiel integrierter Stadtentwicklung.

Die bauliche Umsetzung stellt besondere Anforderungen: Aufgrund ihrer Größe werden die Bäume per Kran auf das Viadukt gehoben und in speziell entwickelte Pflanztröge eingesetzt. Diese enthalten wasserspeichernde Substrate, die eine nachhaltige Versorgung ermöglichen. Zusätzlich wird Regenwasser in unterirdischen Tanks gesammelt und über ein automatisiertes Bewässerungssystem wiederverwendet. Zum Einsatz kommen robuste, standortangepasste Arten wie Felsenbirne, Feldahorn, Hainbuche und Schnurbaum. Ergänzt wird die Bepflanzung durch rund 6.500 Stauden und Gräser, etwa Frauenmantel, Wiesenkerbel und Storchschnabel, 90 Sträucher – darunter Apfelbeeren und Zwergberberitzen – sowie etwa 23.000 Geophyten wie Narzissen und Hyazinthen.

Bis Herbst 2026 ist die Pflanzung weiterer Bäume vorgesehen. Darüber hinaus entstehen Sitzbereiche sowie eine vollständige Infrastruktur mit Beleuchtung, Treppenanlagen und barrierearmen Zugängen.

ParkbogenOst01a 2026 400x267Östliche Bahntrasse, Teil des künftigen Parkbogen OstDer „Parkbogen Ost“ zählt zu den zentralen Stadtentwicklungsprojekten im Leipziger Osten. Entlang einer ehemaligen Bahntrasse wächst schrittweise ein zusammenhängendes Band aus Grünflächen und Bewegungsräumen. Der Sellerhäuser Bogen übernimmt dabei eine Schlüsselrolle: Er verbindet bislang getrennte Stadtteile, stärkt die grüne Infrastruktur und trägt nachhaltig zur Verbesserung der Lebensqualität bei. Die Bauarbeiten am Viadukt, einschließlich der Bepflanzung, werden im Rahmen des Bundesprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“ zu zwei Dritteln gefördert und durch Eigenmittel der Stadt Leipzig ergänzt.

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