Europaweite internationale Gartenaktionstage
Zwischen Kompost und Kunst: Gärten als Orte der Wahrnehmung - in 4 Wochen findet Rendezvous im Garten 2026 statt. Rund um den Bodensee geht es in diesem Jahr unter deutschem Dach in die Schweiz, nach Österreich und Liechtenstein. Motto getreu winken Einblicke in die Gärten der Profis in mehreren Bundesländern. Fotoausstellungen und besondere Führungen locken an Orte, die teils nicht öffentlich zugänglich sind. Links zum Gesamtprogramm sowie zu ausgewählten Beispielen von Nord- bis Süddeutschland werden nachfolgend angeboten.
Rendezvous im Garten 5. – 7. Juni 2026
Wenn Gärten den Blick schärfen: Aktionstage in über 20 Ländern!
Motto «Das Sehen».
Ein Wochenende, das den Blick verändert!
Rendezvous im Garten ist das einzige Gartenfestival, das über Grenzen geht. Dieses Jahr wird vom 5. bis 7. Juni 2026 am ersten Juniwochenende der gemeinsame Blick wachgerüttelt. Das Motto „Das Sehen“ richtet die Aufmerksamkeit darauf, wie wir unsere gebaute und gewachsene Umwelt bewusster betrachten und genießen können. Mal einen Blick in die Schaugärten der Profis werfen oder mittels taktiler Führung anders hinsehen - allein in Deutschland locken 125 Möglichkeiten. Europaweit sind 22 weitere Länder beteiligt.
„Wenn Gärten und Parks mehr zeigen als erwartet: Wir nutzen die Gartenkunst für einen Perspektivwechsel und blicken auf ein Wochenende, das ganz dem geschärften Sehsinn gewidmet ist“, stellt Felicitas Remmert in Aussicht, Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL e. V.).
Vom Detail zur Weite – Sehen als Erfahrung: Gärten eröffnen Perspektiven zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos. Mag der Blick auf den Boden und seine Regenwürmer gerichtet sein oder mehr auf Landschaftsbilder und Sichtachsen bis an den Horizont: Wer genauer hinschaut, entdeckt Zusammenhänge zwischen Natur, Gestaltung und Zeit.
Mit Tiefblick und Praxis – Sehen als Gestaltung: Gärten vermitteln Wissen in Pflanzplänen, Lichtführung, Wegebeziehungen oder künstlerischen Interventionen: Historische Gartenkunst, aktuelle Trends und ganz praktische Gartenarbeit treten in Dialog. Auch der Auftritt von Gärten in Malerei, Film und Fotografie spiegelt blühende Gartenkultur.
Aus Ökologie und Gesellschaft – Sehen als Haltung: Gärten bieten mehr als ästhetische Räume. Sie zeigen, wie wir mit Ressourcen, Biodiversität und Gemeinschaft umgehen können: Klimaanpassung, Artenvielfalt und Teilhabe werden hier konkret, im Kleinen wie im Großen. Das Festival versteht sich als Plattform für Austausch, Neugier und den eigenen Blick.
Europaweit vernetzt, lokal verwurzelt
Alle Veranstaltungen fördern das Vergnügen an Gärten und Parks. Rendezvous im Garten lebt von der Vielfalt seiner Akteur:innen, sei es im privaten Garten, kommunalen Park oder gemeinschaftlichem Projekt. „Rendez-vous aux jardins“ startete 2003 in Frankreich und wandert seit 2018 von Frankreich aus über nationale Grenzen. Immer am ersten Juni-Wochenende erleben zehntausende Besucher:innen, wie vielfältig Gartenkunst gelebt, bewahrt und neu gedacht wird. Die zentrale Idee dabei: Gartenräume als Orte des Lernens, der Erholung und des Experimentierens gemeinsam erleben und Lust auf eigenes Gärtnern aus den Veranstaltungen mitnehmen. Deutschlandweit ruft das Gartennetz Deutschland in der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL e.V.) zur Teilnahme auf, in Kooperation mit dem Französischen Kulturministerium und dem Institut français Deutschland.
Pressekontakt:
Ihre Fragen beantwortet gern Susanne Yacoub,
0179 90 33 065
Hier geht es zu allen 125 Gartenorten und Terminen deutschlandweit unter https://www.rendezvousimgarten.de/programm-5-6-7-juni-2026/, fortlaufend upgedatet.
Unsere Themen 2026
Motto getreu bietet sich ein Blick an in die Schaugärten der Profis:
In Sachsen -Anhalt führt Holländerin Jolanda van Ammerom mit offenen und geschlossenen Augen über das Gelände ihrer Gärtnerei in Ostingersleben. Im Zaubergarten Bielefeld in Nordrhein-Westfalen verrät Garten- und Landschaftsbauer Michael Holzweiler, was gute Gestaltung ausmacht anhand von Sichtachsen, Raumwirkung und gezielter Blickführung. Zwischen Duft und Blüte zeigt sich in der Syringa Kräutergärtnerei in Baden-Württemberg, dass Sehen nie alleinsteht, sondern gepaart ist mit Wahrnehmung und Gefühl.
Mehr im Norden:
Gutshaus Lexow, (c) Jürgen HöferAuf Schlosss Eutin in Schleswig-Holstein können alle Gäste mit einem selbstgebauten Fernglas auf Entdecker-Parcours durch den berühmten Küchengarten gehen.
Im Gutshaus Lexow in Mecklenburg-Vorpommern verschiebt eine Sternenbeobachtung den Blick vom Garten in den Kosmos.
Misstraue der Idylle, rät der gelernte Staudengärtner, Landschaftsarchitekt und frühere künstlerischeren Leiter der BUGA Berlin. In der Uckermark erweist sich der selten geöffnete Garten Gottfriedsen als gelebte Biografie.
In der Gartenregion Hannover lenkt der Meditationsgarten der Pagode Vien Giac den Blick nach innen – Pflanzen, Symbole und Raumgestaltung eröffnen eine andere Form des Sehens. Auf Schloss Landestrost wiederum werden Licht und Schatten zum Denkraum für 28 künstlerische Positionen und zeigen auf, wie Wahrnehmung unser Weltverständnis prägt.
Angebote im Osten:
Stadtpark Aschersleben; Pflanzen-Entdeckertour; Foto Aschersleber KulturanstaltZwischen Giersch und Spitzwegerich entscheidet der Blick in Sachsen-Anhalt. Die Führung „Unkraut oder Delikatesse“ im Stadtpark Aschersleben schult das Auge für das, was essbar, heilsam oder eben doch zu meiden ist.
In Berlin bieten die Gärten der Welt eine Teezeremonie im chinesischen Steinboot. Jeder Handgriff macht sichtbar, wie Sehen, Zeit und Achtsamkeit zusammenwirken.
Im Natur Park Südgelände wird das Sehen taktil erweitert: Eine Führung, die jenseits des Visuellen ansetzt und Wahrnehmung inklusiv denkt.
Inmitten des Retro-Looks eines Landhauses aus dem Berlin der goldenen 1920er-Jahre fällt in der Galerie am kleinen Wannsee der Blick auf zeitgenössische Landschaftskunst, gemalt von einer Architektin und einer Landschaftsarchitektin.
In Thüringen auf dem brandneuen SOMSO-Lehrpfad im Stadtpark Sonneberg holen überdimensionierte Modelle das Unsichtbare ins Blickfeld, damit Mikroorganismen plötzlich greifbar werden. Im Hermann-Pistor-Gymnasium am selben Ort wird im Schul-Gemeinschaftsgarten das Sehen zwischen Kunst, Wissenschaft und Alltag neu zusammengesetzt. Umfangreiches öffentliches Vormittagsprogramm!
Ideen für den Westen:
Zaubergarten Bielefeld; Foto: MIchael HolzweilerSiedlungsgrün im Wandel: Wer in den Düsseldorf-Bilk Mietergärten genauer hinschaut, erkennt hier soziale Geschichte, kollektive Pflege und Zukunftsfragen zugleich, mit Chance auf Einstufung als immaterielles Welterbe der UNESCO.
In Aachen erhebt eine deutsch-französische Fotoausstellung den Garten am Institut français zum Resonanzraum für neue, europäische Perspektiven.
Wie stellt sich ein historischer Park dem Klimawandel? Im Osteinschen Niederwald bei Rüdesheim decken Experten der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen bei einer Waldführung mit nostalgischem Rhein-Blick auf, was das Garten-Team unternimmt.
Wandernde Orchideen erzählen von Klimaverschiebungen in der Region GartenRheinMain. Wer sie entdeckt, liest Landschaft wie ein lebendiges Protokoll des Wandels, bei einer Führung des Umweltbildungszentrum Schatzinsel Kühkopf.
Im Kurpark Bad Schwalbach fordert die Begegnung mit der Äskulapnatter einen Perspektivwechsel – vom reflexhaften Wegsehen hin zum bewussten Wahrnehmen der bedrohten Art.
Ziele im Süden:
Überlingen, Gartenparadiese; Foto: BodenseeegärtenZwischen Villa und Landschaftsgarten geht es um schöne Aussichten in der Gartenliteratur im Gartendenkmal Lindenhofpark direkt am Ufer des Bodensees, begleitet von Texten und Tönen.
Wo andere Abfall sehen, entsteht in Rödental im privaten Thieracher Garten ein Raum für Staunen, Leben und neue Kategorien des Sehens dank einer monumentalen Totholzinstallation des Künstlers herman de vries.
Ungewöhnlich: Im Schloss- und Landschaftspark Dennenlohe in Bayern gibt es eine Führung „Sehen für Vierbeiner“. Denn die von Süsskinds sind selbst begeisterte Hundezüchter.
Der Botanische Garten Augsburg weckt in einer Fotoausstellung das Besondere im Detail.
Rückblick 2024
Rund 180 Gärten und Parks präsentierten sich beim siebten deutschlandweiten Rendezvous im Garten vom 31. Mai bis 02. Juni als multisensorische Verführer. Unter dem gemeinsamen Motto „Mit fünf Sinnen im Garten“ stand dieses Jahr die Beziehung des Menschen zum Garten im Mittelpunkt bei Sonderführungen, Expertengesprächen, Kinderprogrammen, Lesungen, Parkfesten, Nachwuchswettbewerben, Verkostungen und Workshops.
Rendezvous im Garten ist das einzige grenzübergreifende internationale Gartenfestival, das zeitgleich an jedem ersten Juniwochenende Tausende in Gärten und Parks zieht, diesmal in 21 mitwirkenden Ländern in Europa. Die Teilnahme in diesem Jahr brach europaweit mit 4.300 Veranstaltungen alle Rekorde, seitdem seit 2018 das ursprünglich französische „Rendez-vous aux jardin“ über Grenzen wandert. In der Vorwoche der Europawahl verschaffte das gemeinsame Aktionswochenende allen Gärten und Parks deutlich mehr Gehör.
In Deutschland konnte selbst der Wetterumschwung die Begeisterung nicht ausbremsen und nur wenige von den 185 geplanten Veranstaltungen mussten ganz entfallen.
Beim Festakt zur Eröffnung auf der Landesgartenschau in Bad Dürrenberg in Sachsen-Anhalt wurde 150 Zuschauern trotz frischer Temperaturen warm ums Herz dank packender Rhythmen, erzeugt vom Duo „Die Aufgeweckten Gartenklänge“ auf Spaten, Eimer und Gießkanne. Hauptberuflich arbeiten die beiden Musiker als Landschaftsarchitekt und Solotrompeter.- Im Kurpark von Bad Mergentheim lauschten 450 Gäste im Regen, aber trotzdem bei bester Stimmung einem Konzert.
In Berlin hatte der starke Wind alle Regenwolken weggepustet, so dass unter dem Blätterdach der Baumschule Kulturforum, einer temporären künstlerisch-gärtnerischen Rauminstallation direkt neben der Berliner Philharmonie 30 Erwachsene samt Kindern einem Kunst-Workshop folgen konnten.
Thema Spuren von Natur an einem der Kultur-Hotspots der Hauptstadt entdecken, dargeboten von der Stiftung St. Matthäus zusammen mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK).
In Berlin-Reinickendorf staunten Interessierte, um wieviel schöner ein Innenhof ist, wenn heimische Stauden, Kräuter und Wiesenblüten wachsen dürfen. Mit verbundenen Augen wurde gekostet, was hier Essbares wächst. Ihre Führung durch artenreiche PiKoPark-Biotope mitten in Wohnblöcken hatten die Stiftung für Mensch und Umwelt, das Naturgarten-Team der Initiative ‚Deutschland summt‘ und das Berliner Naturkundemuseum anschaulich ausgerichtet auf das sinnliche Rendezvous-Motto. Wie Dirk Lausch als Vertreter der Märkischen Scholle Wohnungsunternehmen eG berichtet, gelingt so eine naturnahe Umgestaltung im halböffentlichen Raum nicht ohne enthusiastischen Initiator. Die Stiftung für Mensch und Umwelt habe ihr Konzept der PikoParks immer wieder erklärt, so dass die Wohnungsgesellschaft sich irgendwann mitreißen ließ. Heute bereut das hier niemand.- In Brandenburg erlebten 600 Besucher:innen mit geschärften Sinnen beim Parkfest den heimischen Schlosspark Plaue am Ufer der Havel intensiver als sonst.
Im Binsdorfer Klostergarten in Baden-Württemberg beantwortete Landschaftsarchitektin Isabel David viele Fragen zum gärtnerischen Wissen der Klosterfrauen aus alten Zeiten und zur Zukunft des Gartens, der bald für die Sanierung geschlossen wird.- Für den Küchengarten von Schloss Eutin in Schleswig-Holstein interessierten sich 1.150 Besucher:innen und auch private Gärten waren begehrt.
- Im Garten der Leidenschaft bei Bremen holten sich 400 Gäste Anregungen ab und kosteten Delmenhorster Stadthonig.
- Ein Kunsthandwerkermarkt im nordrheinwestfälischen Solingen lockte 640 Gäste in den Waldhof Hackhausen, ein privates Gartendenkmal aus der Zeit der Moderne. „Besonders gefragt waren wieder die Führungen zur Gartenarchitektur“, vermeldet Eignerin Olga von Gregory.
Umso trauriger stimmt es das Gartennetz Deutschland und die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst e. V. als Hauptveranstalter, dass im Jahr 2024 etliche gastgebende Gärten und Parks, besonders in Sachsen-Anhalt, in Bayern und Baden-Württemberg betroffen waren von den akuten Überschwemmungen in Folge der Klimakrise und bleibende Schäden in ihrer Substanz davontragen werden, selbst dort, wo die Starkregen vergleichsweise glimpflich ausgingen. Der Botanische Garten Augsburg etwa bleibt vorerst wegen technischer Schwierigkeiten geschlossen. Das Rendezvous-Team denkt mit Sorge an die Auswirkungen in vielen Regionen und bedankt sich umso mehr bei allen, die in besonders betroffenen Gebieten geholfen und unterstützt haben.
