Ein Bergahorn ist Hamburgs 1. Nationalerbe-Baum
Einer der wohl eindrucksvollsten Berg-Ahorne Deutschlands wurde im Oktober 2020 zu Hamburgs erstem Nationalerbe-Baum ausgezeichnet. Der Berg-Ahorn ist 270 Jahre alt und steht im Hamburger Hirschpark, einer wunderschönen Parkanlage an der Elbe. Charakteristisch ist sein mit 5,55 Metern Umfang massiver Stamm, der sich bereits in etwa zwei Metern Höhe in mehrere starke Teilstämme verzweigt. Darüber entfaltet sich eine 36 Meter ausladende, geschlossene Krone, deren ausgewogene Form dem Baum eine markante, zugleich harmonische Silhouette verleiht. Der Standort im landschaftlich reizvollen Park unterstreicht seine Wirkung als Ort der Ruhe und Kontemplation.
Abb. 02a: Bergahorn im Hirschpark, Winteraspekt; Foto: Doobe 2003Seit vielen Jahren wird dieser Berg-Ahorn vom städtischen Baummanagement fachlich begleitet. Trotz notwendiger Sicherungsmaßnahmen an einzelnen Großästen in den vergangenen Jahrzehnten zeigt sich seine Vitalität weiterhin bemerkenswert. Als Nationalerbe-Baum steht er nun unter besonderem Schutz mit dem Ziel, ihm ein möglichst ungestörtes Altern zu ermöglichen.
Die langfristige Erhaltung solcher Bäume erfordert koordinierte Zusammenarbeit. Lokale Akteure und Fachinstitutionen arbeiten hierzu eng mit dem Kuratorium der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft (DDG) zusammen. Das unabhängige Expertengremium bringt bundesweit seine wissenschaftliche und praktische Expertise ein, begleitet die Initiative und entwickelt Standards für Pflege und Sicherung. Auf diese Weise soll gewährleistet werden, dass diese ökologisch und kulturhistorisch bedeutenden Naturdenkmale dauerhaft erhalten bleiben.
Nationalerbe-Bäume stehen exemplarisch für den verantwortungsvollen Umgang mit alten Gehölzen. Sie fungieren als lebendige Zeugnisse historischer Landschaftsentwicklung und zugleich als Symbole nachhaltiger Zukunftsgestaltung. Ihr Schutz ist integraler Bestandteil einer Stadtentwicklung, die ökologische Belange und urbane Nutzung in Einklang bringt.
Auch biologisch weist der Berg-Ahorn bemerkenswerte Eigenschaften auf. Seine Früchte – kleine Nüsschen mit einem charakteristischen Flügel – nutzen ein aerodynamisches Prinzip: Beim Herabfallen rotieren sie wie kleine Propeller und können so vom Wind über Distanzen von bis zu 125 Metern verbreitet werden. Im Frühjahr tritt bei Verletzungen der Rinde oder nach Schnittmaßnahmen sogenannter „Frühjahrssaft“ aus. Dieser zuckerhaltige Saft, der bis zum Austrieb fließt, bildet die Grundlage für die Herstellung von Ahornsirup.
Das Holz des Berg-Ahorns ist seit Jahrtausenden sehr begehrt. Bereits in der Stein- und Bronzezeit genutzt, wird es heute insbesondere im Instrumentenbau geschätzt. Als sogenanntes Klangholz wird es für Streichinstrumenten, Zupfinstrumenten und Blasinstrumenten verwendet. Von den drei heimischen Ahornarten ist das Holz des Berg-Ahorns das begehrteste, auch weil es am hellsten, recht hart und gut zu bearbeiten ist.
Abb 04: Stefanie von Berg, Staatsrätin (BUKEA); Andreas Roloff, Professur für Forstbotanik; Uwe Thomsen, Baumpflege; Mirko Liesebach, Institut für Forstgenetik; Foto: Dirk Dujesiefken, 2020Mit seiner Auszeichnung als Nationalerbe-Baum ist der Berg-Ahorn im Hirschpark nicht nur ein herausragendes Naturdenkmal, sondern auch ein langfristiges Pflegeprojekt. Zu den großteils schon erfolgten Baumpflege- und Sicherungsmaßnahmen gehören u.a. die regelmäßige Überprüfung der Verkehrssicherheit und Einschätzung der Lebenserwartung, die routinemäßige Kronenpflege, eine Optimierung des Stammumfeldes und seiner Abgrenzung, um Trittbelastungen zu reduzieren, die Kontrolle der vorhandenen Kronensicherungen und ggf. eine moderate Einkürzung einiger weit ausladender Äste, um ihr Abbruchrisiko zu verringern.
Bei entsprechender fachlicher Betreuung bestehen gute Chancen, dass dieser Baum noch über Jahrhunderte hinweg das Landschaftsbild prägt.

